Beiträge von RudiRatlos

    Hat bei mir etwas länger gedauert, bis ich den Ursprung dieser seltsamen Essgewohnheit der Helvetier gefunden habe, damit ihr auch wisst, warum es eine Käsesuppe gab.


    Also das war so: Es war einmal ein Tal in den Bergen, also in den ganz hohen Bergen. Dessen Bewohner hatten zwar ein gutes Klima, sogar mediterrane Früchte gediehen dort prächtig, und eine spektakuläre Bergkulisse, aber ihr Hauptnahrungsmittel musste immer kalt gegessen werden. Das war im Winter besonders hart und setzte der Bevölkerung gar sehre zu, weswegen sie immer mehr von den Bewohnern ausserhalb ihrer engen Heimat gemieden wurde. Das führte dazu, dass sich ihre Sprache immer mehr von der des übrigen Landes entfernte, so dass sie am Ende von den anderen gar nicht mehr verstanden wurden. Gottseidank gab es aber in diesem Tal einen ganz gescheiten Jüngling mit Namen Dü. Der wusste: Die Liebe, also auch die Liebe der fremden Menschen, geht durch den Magen. So kreierte er eines Tages ein neues Gericht, in welches sich auch ein heimisches Getränk sehr gut integrieren liess. Zudem hatte es den Vorteil, dass es warm genossen wurde und zudem noch schnell und unkompliziert zubereitet werden konnte. Als Sahnehäubchen rief es bei den Beteiligten der Tafelrunde stets und zuverlässig ein euphorisches Gefühl hervor, das viel später als FIGUGEGL bekannt wurde. Kein Wunder, wurde das Tal und seine Bewohner bald wieder bekannt und beliebt. Fremde Reisende kamen wieder in Scharen und bewunderten die wunderbare Landschaft am Tag und gaben sich abends den lukullischen Köstlichkeiten hin. Als Belohnung für seine Bemühungen wurde der junge Herr Dü in den Adelsstand erhoben und durfte sich fortan «von Dü» nennen. Er lebte lange, und nachdem er seine grosse Liebe «Rac» (mit Nachnahmen «Lette», aber das ist eine andere Geschichte) endlich geehelicht hatte, auch glücklich und zufrieden.


    Und so ist es bis heute geblieben, und ihre seltsame Sprache, die sich nicht mehr geändert hat, nimmt man heute noch in Kauf. Ja, es ist sogar so, dass es in einer gewissen Branche von Vorteil ist, wenn man sich in diesem unverständlichen Idiom («s'huis isch am schäcksi apa gebrunna!») auszudrücken pflegt.


    Natürlich bin ich dem Ehepaar Dü und Lette sehr dankbar, aber noch dankbarer bin ich jenen, mit denen ich dieses Manna an einer Tafel geniessen und mich dem euphorischen FIGUGEGL unbeschwert hingeben kann. Und deshalb komme ich auch gerne alle Jahre wieder.



    1970 kam diese Platte raus. Ich weiss nicht, wann ich sie zum ersten Mal gehört habe, aber ich weiss noch heute: It changed my life. Zu ersten Mal hatte ich ein schlagkräftiges Argument gegen die Vorwürfe der älteren Generation, was unseren Musikgeschmack anbelangte (Was ihr da hört, ist keine Musik, sondern höchstens organisierter Lärm!). Die originale LP ist mir leider (wie so viele andere) abhanden gekommen, aber ich besitze nach wie vor die erste CD, die nach der Originalaufnahme gemacht wurde (im sogenannten «AAD»-Verfahren, d.h. nur der letzte Schritt war digital). Nun halte ich 180 gr. der «Remastered Edition» von 2016 in den Händen, und wenn ich den Kommentaren glauben soll, werden meine Lautsprecher in der nächsten halben Stunde juchzen und jubilieren.


    Zitat aus «Babyblaue Prog-Reviews»:


    Heute geht es aber hauptsächlich um den Klang und die Aufmachung und nur am Rande um die Musik, die aber nach wie vor ganz toll und 1970 revolutionär war. Die LP steckt in einem hochwertigen Innensleeve und stabilen Klappkarton mit dem legendären Cover. Ausgeklappt entfaltet sich das grieselige s/w Foto der Kuhweide. Also absolut originalgetreu. Die 180 g LP selbst wurde qualitativ hochwertig gepresst und gibt kein Rauschen oder Knacken von sich.

    Und der Klang? Nun, ich habe das Glück diese LP auf einer sehr hochwertigen Anlage hören zu können, was in diesem Fall das höchste der Gefühle darstellt. Seite 1 mit dem Titeltrack fängt ab dem aufsetzen des Tonarms mit einer ungeheuren Dynamik an. War mir die Originaleinspielung immer etwas zu flach und dünn (was mit der remasterten CD 2011 bereits erheblich verbessert wurde), so knallt dem Hörer jetzt eine Wucht entgegen, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Im direkten Vergleich zur remasterten CD ist der Unterschied schier unfassbar.

    Der am Anfang tönende Bass grollt mit einem nie gehörten Donner und das startende Motorrad fährt einem glatt durchs Wohnzimmer. In BREAST MILKY schwebt Gilmours Gitarre quer durch den Raum. Der Klang besitzt jetzt eine unglaubliche Transparenz und Plastizität, ist vom dunklen Schleier befreit den die Originalaufnahme stets umgeben hat.

    Der Chor von John Aldiss wirkt wegen seiner Bedrohlichkeit noch abgefahrener und in FUNKY DUNG ist das Spiel zwischen Gitarre und Orgel nie so eindrucksvoll und deutlich gewesen. Und in REMERGENCE spielt sich die Geige neben der Orgel in einen wahren Klangrausch.

    Ich habe weder Caquelon, noch Brenner, noch Gabeln (also keine Hardware). Käse auch nix, nix Maizena, Knoblauch, Brot schon gar nicht. Ich könnte also nur als Zuschauer kommen, ausser jemand oder mehrere jemande liessen mich aus ihrem Topf schmarotzen. Ich könnte aber als Gegenleistung etwas «white wine with the melted Cheese, miss Sophie!» und zum Abrunden etwas Feuerwasser anbieten.

    And now for something completely different! Zu den ernsten Dingen des Lebens nämlich. Eine weitere Heimkehr. Ich wusste zwar, dass ich zu dieser LP nach, sagen wir mal nach 1975, musikalisch den Draht etwas verloren habe, aber es gibt ja neben der Musik auf einer LP und dem Cover noch einen weiteren Grund, sie in seiner Sammlung haben zu wollen: Wegen der Stimmung damals und als Tribut für Grace Slick und Lewis Carroll:


    And you've just had some kind of mushroom

    And your mind is moving low.

    Go ask Alice

    I think she'll know.

    When logic and proportion

    Have fallen sloppy dead,

    And the White Knight is talking backwards

    And the Red Queen's "off with her head!"

    Remember what the dormouse said:

    "Feed your head. Feed your head. Feed your head"


    und sei es nur schon wegen Fritz the Cat.

    Als Fritz the Cat in Zürich in die Kinos kam (ja, dieser Comic wurde verfilmt), lief er ab 16 (oder war's gar ab 18?) wegen der vielen expliziten Szenen darin. Meines Wissens war das der erste Zeichentrickfilm, welcher erst ab 16 lief.


    Hier der YouTube-Trailer für die Uneingeweihten. Er gibt ein paar Eindrücke darüber, was die Jugend vor 50 Jahren so bewegte:


    Trailer Fritz the Cat

    Noch ein heimgekehrter verlorener Sohn, sehnsüchtig erwartet, nicht des Soundes wegen, Big Brother and the Holding Company waren eine mittelmässige Blues-Rock-Band und Janis hat auf späteren Aufnahmen ungleich bessser gesungen, aber des Covers wegen. Ja, ich gebe es zu, manchmal habe ich LPs bloss wegen des Covers gekauft, und diese kriegt einen Ehrenplatz in der Galerie, weil der geniale Robert Crumb das Cover gestaltet hat:


    Leider gibt es nicht nur ungetrübt Positives zu vermelden. Neben Lockvogelangeboten (die in der Realität gar nicht existieren) kann es passieren, dass die Lieferung unter aller Sau ist. Zweimal hat es mich getroffen, beides mal mit King Crimson. Eine LP enthielt derart viele Produktionsrückstände, dass das Anhören eine Qual ist und nur mit einer professionellen Waschung behoben werden kann. Etwas Isopropanol mit Wasser hilft da nicht mehr.


    Eine zweite Lieferung war dermassen fehlerhaft, dass man sie fast schon wieder als edle und wertvolle Fehlpressung (analog zu Münzen und Briefmarken) ansehen muss. Die LP wies statt zwei Klebern (die Dinger, die eigentlich zentriert ums Loch geklebt werden) deren drei auf, was die LP zum Teil auch unhörbar macht.



    Ironie des Schicksals: Diese LP ist nun wirklich so speziell, dass es schon einer gewisse Stimmung bedarf, um sich das akustisch reinzuziehen. Selbst der Bandleader kommentierte dieses Album mit folgenden Worten:

    „Insgesamt ist das Album unhörbar. Unser Remastering zeigt nur, wie unhörbar. Ich kann nicht empfehlen, dass irgendjemand mit seinem hart verdienten Geld für dieses Album bezahlt, es sei denn, um es auf Feiern mitzunehmen und unwillkommenen Gästen vorzuspielen. Es gibt einige „Lizard“-Liebhaber, ich weiß. Sie müssen sehr wunderlich sein.“ – Robert Fripp[2]

    Das Projekt «Reconquista» nähert sich seinem Ende. Heute ist die Letzte LP aus dem Kapitel «King Crimson» eingetroffen: «Red» – Klar, nicht mehr die Originalfassung von 1974, dafür 200 gr. schwer, aus dem Release «40th anniversary stereo mixes by Steven Wilson and Robert Fripp». Wenn ich den Namen «Steven Wilson» höre, ist es sowieso um mich geschehen. Als Musiker ist er halt auch als Produzent ganz nahe an den Bands.



    Jetzt warte ich nur noch auf «A Passion Play» von Jethro Tull in der Vinyl-Fassung. Die CD habe ich schon.

    So einen Prachtstag hätte ich jetzt von der Jahreszeit her gar nicht mehr erwartet. Irgendwann im Laufe des Tages hörte das Bibbern auf und das Juchzen unter dem Helm wollte nicht mehr enden!


    Geniale Route des genialen Tourguides, Supertruppe, Verkehr in engen Grenzen (kein Wunder bei der Route) - So sollte es immer sein! :thumbsup:

    Leider ist es mir nicht gelungen, diese beiden absoluten Perlen als Vinyl-LPs an Land zu ziehen. Zum Trost: Die Jungs (Mädels?), die für die Remastered CDs verantwortlich zeichnen, haben einen guten Job gemacht.




    Wenigstens habe ich auf diese Weise den Höhepunkt des Schaffens von Peter Hammill & Co. lückenlos an Bord.


    Egal, wie düster deine Stimmung ist: Peter Hammills Texte sind immer noch ein paar Zacken düsterer.

    Heute ist das absolute Highlight des Genres «Progressive Rock» eingetroffen. Hab' schon gar nicht mehr daran geglaubt. Alle bisherigen Recherchen führten ins Nirgendwo, bzw. lauteten «vergriffen», «nicht mehr lieferbar» und andere deprimierende Meldungen.



    Vor lauter Aufregung ist die Aufnahme verzittert, aber oben links steht: Limited Edition 200 gram vinyl release of the 40th anniversary – stereo mixes by Steven Wilson and Robert Fripp.


    Ich verzichte auf eine Würdigung aus meiner dilettantischen Perspektive und lasse lieber Berufenere urteilen:


    Wie soll man eine Kritik zu dieser Platte beginnen? Eine Kritik zu der Platte, von der man wohl sagen kann, daß sie die erste sei, die die Bezeichnung "Progressive Rock"-Platte wirklich verdiene, die Platte, von der manche behaupten, daß sie dieses Genre überhaupt erst als solches begründet habe.

    Unzweifelhaft ist, dass "In The Court Of The Crimson King" einen unglaublichen Einfluß auf die Entwicklung vieler Bands gehabt hat, von "Genesis" über "Van Der Graaf Generator" bis "Yes". Wenn eine Prog-Platte die Bezeichnung "Klassiker" verdient hat, dann diese: Vision, Talent, handwerkliche Perfektion, hervorragender Sound, Innovation. Auch heute noch ist es einfach erstaunlich, wie weit "Court" soundmäßig und kompositorisch seiner Zeit voraus war - schließlich schrieb man bei ihrem Erscheinen erst das Jahr 1969. Und das bei einem selbstproduzierten Debüt einer Band aus lauter Nobodies, die keine nennenswerte Vorgeschichte im Rock-Zirkus aufzuweisen hatten.

    Es bleibt nur ein Satz zu sagen: diese Platte gehört unter allen Umständen in eine Prog-Sammlung, die diesen Namen verdienen soll.


    Quelle: https://www.babyblaue-seiten.d…alpha&top=reviews&alpha=k